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Lehren aus der Finanzmarktkrise



Bild Björn HannemannDie Weltwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Diese begann im Jahre 2007 mit der US-Immobilienkrise, führte dann weltweit zu hohen Verlusten sowie Insolvenzen bei Finanzunternehmen und entwickelte sich 2008 zu einer massiven Krise der gesamten Weltwirtschaft. Es ist daher geboten, die Ursachen der Krise sowie die daraus zu ziehenden Lehren zu analysieren.

In den USA wurde der Erwerb von Immobilien in erheblichem Maße staatlich gefördert. So waren beispielsweise Banken verpflichtet, ihren Kunden Immobilienkredite anzubieten, deren Rückzahlungsverpflichtung auf den Wert der Immobilie beschränkt war. Die Bankkunden mussten also nicht mit ihrem übrigen Vermögen für den Kredit einstehen (so genannte „regressfreie Kredite“). Gleichzeitig hat die US-Notenbank die Zinsen niedrig gehalten.

Dies führte dazu, dass die USA über ihre Verhältnisse lebten: Die Sparquote der Privathaushalte lag in den Jahren 2005 bis 2007 bei ungefähr 0%; viele Amerikaner hatten sogar eine negative Sparquote, d.h. sie haben ihren Konsum in großem Stil über Kredite finanziert.
Wenn Privathaushalte nicht sparen und der Staat gleichzeitig Schulden macht, müssen zur Finanzierung der Volkswirtschaft Kapitalimporte aus dem Ausland stattfinden. Ein Blick auf die weltweiten Kapitalimporte und -exporte macht die extremen Ungleichgewichte der Weltwirtschaft deutlich: Im Jahre 2007 flossen 49% der internationalen Kapitalimporte in die USA, gefolgt von Spanien und Großbritannien mit 10% bzw. 7%; finanziert wurde dies durch die kapitalexportierenden Länder, allen voran China (21% der weltweiten Kapitalexporte), Deutschland (14%) und Japan (12%).
Die USA waren gezwungen, Geld aus aller Welt anzulocken, um den eigenen Konsum finanzieren zu können – dabei verteilten sich „faule“ Immobilienkredite im Wege der Verbriefung über die ganze Welt und infizierten das Weltfinanzsystem.

Statt aber diese grundlegenden Ursachen der Finanzmarktkrise zu thematisieren, beschäftigen sich die Staats- und Regierungschefs auf internationalen Gipfeltreffen mit Finanzmarktsteuern, welche in erster Linie die private Altersvorsorge schwächen würden, oder mit Bilanzierungsregeln, welche die Krise möglicherweise verstärkt haben, aber nicht deren Kern bilden.

Gleichzeitig erhöhen die Staaten ihre Verschuldung in exorbitanter Weise. Die Schulden der USA belaufen sich auf ca. 73% des Bruttoinlandsprodukts, die Italiens und Japans sogar auf ca. 106% bzw. 173%. Vor allem Zahlungsschwierigkeiten eines Euro-Landes wie Italien hätten unmittelbar dramatische Auswirkungen auf Deutschland.

Wir brauchen daher eine internationale Finanzpolitik, welche die Gefahren der Ungleichgewichte der Weltwirtschaft sowie der ausufernden Staatsschulden diskutiert und die Staaten auf Lösungswege festlegt. Sonst kann die derzeitige Entwicklung schnell neue weltweite Finanzmarktkrisen auslösen. 

Björn Hannemann 
(Vorsitzender des AK Wirtschaft und
Steuern der JU Baden-Württemberg) 









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